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Post aus der Vergangenheit (Novelle, Auszug); von Sabine Siebert

in Kleine Lese-Kostproben für unsere Gäste

25.07.2018 15:39
von Evelucas • 162 Beiträge | 289 Punkte




Post aus der Vergangenheit
von Sabine Siebert (muglsabine2016)



Es kam mit der Morgenpost: ein ganz normal aussehendes Paket in braunem Packpapier und verschnürt mit derber Doppelschnur. Es unterschied sich in nichts von den tausend anderen Paketen, wie sie die Postboten tagtäglich austrugen. Mit diesem aber hatte es eine besondere Bewandtnis – eine ganz besondere.

Neugierig betrachtete ich das Paket. Es hatte die Größe einer Zigarrenkiste. Das Papier war leicht vergilbt und der Absender nicht erkennbar. Viele Stempel kennzeichneten das Päckchen. Ein weiter Weg schien hinter ihm zu liegen. Wie kam ich, Elisabeth Richter, eine Hausfrau und Mutter zweier erwachsener Kinder, zu diesem Paket? Ich legte es auf den Küchentisch, holte eine Schere und öffnete es vorsichtig. Zum Vorschein kamen ein Brief und drei kleine Goldplättchen. Ich nahm ein goldenes Teil und betrachtete es. Wer hatte es mir geschickt? Ich las den Brief.

„Liebe Lissy, befinde mich vor einer der größten Ausgrabungsstätten in Kuschan mit russischen und afghanischen Archäologenkollegen. Wir haben ein paar wundervolle Entdeckungen gemacht und befinden uns derzeit an einem Grab von Tillya Tepe. Ich schicke Dir einige Goldplättchen, die das Totenkleid einer jungen Frau schmückten. Es wäre schön, wenn Du kommen und uns unterstützen könntest. Ich erwarte Dich und reserviere Dir ein Zimmer ab dem 18. Mai 1978.

Liebe Grüße Dein Onkel Tom“

Wieder und wieder las ich den Brief. Früher hatte mich der Bruder meiner Mutter zu kleinen Ausgrabungen mitgenommen. Das Suchen nach alten Relikten hatte mich fasziniert. Doch nach der Geburt meiner Tochter, Sylvia, fand ich einfach keine Zeit mehr für diese Dinge. Und als zwei Jahre später auch Felix geboren wurde, beschränkte sich alles, was von diesem Hobby noch übrig war, auf das Sammeln von Zeitungsberichten über derartige Ausgrabungen.

Wir hatten seit 1977 nichts mehr von meinem Onkel gehört. Doch nun erfuhr ich, dass er an einer der größten Ausgrabungen in Afghanistan beteiligt gewesen war? Ich las damals sogar von den Funden erinnerte mich allerdings nicht, in Verbindung damit auch von meinem Onkel gelesen zu haben. War mir da etwas entgangen, hatte ich die Berichte womöglich nur halbherzig überflogen?
Ich stieg auf den Speicher.
In einem großen Koffer bewahrte ich die interessantesten Artikel über alle möglichen Ausgrabungen auf, und sie waren nach Jahreszahlen sortiert. Ich musste nicht lange suchen, schon hielt ich die Mappe mit den Ausschnitten betreffender Ausgrabung in den Händen.

Aus der frühen Periode von etwa 100 v. Chr. bis 100 n. Chr. war weder über Kuschan noch über Baktrien viel bekannt.
Die Wissenschaftler betitelten diesen Zeitabschnitt daher als die Dunkle Periode. Im Jahre 1978 konzentrierten Victor Iwanowitsch Sarianidi und ein Team von Archäologen ihre Aufmerksamkeit auf eine Stelle in der Nähe der alten baktrischen Haupstadt Balkh, die von den Einheimischen auch Tillya Tepe, „Goldener Hügel“ genannt wurde. Das Team suchte in den zerfallenen Ruinen eines tempelartigen Bauwerkes. Dort fanden sie irgendwann eine kleine, goldene Scheibe, die in der Sonne eigentümlich glänzte. Es war das erste von mehr als zwanzigtausend Fundobjekten, allesamt zumeist aus Gold und Edelsteinen gefertigt, das sie dort entdeckten. Die Archäologen vermuteten, dass sie auf den Friedhof der HHHhh – *Herrscherfamilie eines Fürstentums der Kuschaner * – gestoßen waren.

Ich ließ das Blatt wieder sinken. Nein, ich hatte nichts übersehen oder überlesen. Der Name meines Onkels wurde in diesem Bericht tatsächlich nicht erwähnt. Doch ich wusste, dass er bereits früher mit Victor Iwanowitsch Sarianidi gearbeitet hatte. Warum aber, sofern er bei diesem Fund wirklich nicht dabei gewesen war, hätte er lügen sollen, als er diesen Brief an mich schrieb? Und mich dann auch noch dorthin einladen sollen? Da stimmte doch etwas nicht.
Es schien, als hätten die Beiden einen überwältigenden Fund gemacht. Und Onkel Tom wollte mich offensichtlich dabei haben.
Allerdings lag das mittlerweile zweiunddreißig Jahre zurück. Und vor ebenso vielen Jahren, war auch unser Kontakt zu ihm abgerissen. Seit damals hatten wir nichts mehr von ihm gehört, wussten nicht, wo er steckte, oder ob er überhaupt noch lebte.
Konnte all das wirklich nur Zufall sein?
Noch mit diesem Gedanken im Kopf, verließ ich den Speicher wieder.
Was würde meine Mutter sagen?
Ich musste sie anrufen. Schon griff ich zu meinem Handy, wählte ihre Nummer und wartete.
Es dauerte nicht lange, bis sie sich am anderen Ende der Leitung auch meldete.
„Hallo Mama, hier ist Lissy. Ich muss dir was Umwerfendes erzählen“, begrüßte ich sie.
„Hallo Lissy, was ist denn los? Du klingst so aufgeregt.“
„Ja, stell dir vor, heute kam ein Päckchen bei mir an, das mehr als drei Jahrzehnte unterwegs war.“
„Wie bitte? Das klingt aber mysteriös. Und von wem ist es?“, fragte sie mich.
„Du wirst es kaum glauben, von Onkel Tom.
Plötzlich Stille am anderen Ende und dann.

"Was?"
Meine Mutter schien verwirrt.
„D ..., du meinst von meinem Bruder, deinem Onkel, also von Thomas?“
Jetzt klang ihre Stimme schrill.
„Ja doch! Ist das zu fassen?“, rief ich voller Freude.
„Oh mein Gott!", reagierte sie ungläubig. "Und was war drin? Wo kommt es her?“



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Mehr über diese mysteriöse Geschichte und interessante Infos dazu, findest Du danach in unserer Lesestube: Post aus der Vergangenheit

zuletzt bearbeitet 25.07.2018 16:57 | nach oben springen

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